Samstag, 1. November 2008

Kra-vi, Kra-va, Kra-vall.

Ja ich sehe schon die Fragezeichen in eurem Gesicht. Also gleich zu wesentlichen. Was ist ein Kravall? Und wie beschreibt man das am besten? Ganz plump könnte man laienhaft sagen: „Eine Uniparty.“ Aber wir sind ja hier schon im advanced Stadium des Bloglesens. Daher gehen wir noch an ausgesuchten Beispielen ins Detail.

Zu einem richtigen Kravall gehören drei wesentliche Dinge: Queuen, Preparty, Overall. (bei Bedarf kann man noch anfügen: Musikgeschmack ausblenden, keine Scheu vor Alkohol, auch zusammenzufassen unter: Gehirn abschalten) Außerdem ist mir aufgefallen, dass die schwedischen Parties im Allgemeinen mit wesentlich mehr Aufwand betrieben werden. Denn das ist nicht eine einfache Uniparty. Nein. DAs geht ein ganzes Wochenende. Unter einem Motto startet es mit einem Kravall, dann gibt es einen Wettbewerb (beispielsweise Gokart Fahren, Paintball, Tauziehen, jeweils passend zum Thema) und dann noch einen Spielabend. Vorher werden noch hochwertigproduzierte Hefte über alles verteilt und groß Werbung gemacht. Klasse. Sollte man in Deutschland auch mal machen. Freiwillige?


Queuing.

Fangen wir mal beim Queuen an. Ja ich weiß es wurde schon oft erwähnt, aber es ist nun mal typisch. Das Schlangestehen. Und es ist gar nicht so einfach. Denn neben der ungeschriebenen Regel: „Nicht vordrängeln sonst gibt es Ärger!“ gilt es auch noch herauszufinden, wo und wie lang vor Ticketsale. Das kann nämlich nach eingehender Recherche meinerseits sehr essentiell sein. Beispiele gefällig? Kravall Le Mans: angestanden halb 7 >> Ticket Sale 8:00 Resultat: Unnötig, Tickets gabs auch danach noch. Sea Battle: andere standen dafür shcon ab 10uhr morgens an >> Ticket Sale: 8:00 nächster Tag.Siehe Foto: Sowas nennt man dann Overnight Queuen. Ich bin mal zum Spaß mit, um mir das anzuschaun, obwohl ich keine Tickets wollte. Habne dann einen schönen Spieleabend mit Poker und Bonanza gehabt. Die meisten waren jedoch mit Laptops da, das sah aus wie auf ner Lan-Party. Übrigens: Schlafen war verboten. Da haben extra Guards aufgepasst.

Bei manchen Kravallen oder Veranstaltungen heißt es also frühzeitig anstehen. Bei manch anderen standen wir umsonst so früh an, und hätten eher noch ein wenig länger schlafen sollen. Aber wie bekommt man das heraus…ich glaub nur über Erfahrungswerte.

Der Overall - Bequem, praktisch und studentisch. So könnte man ihn beschreiben. (Ich seh schon das als Werbeslogan vor mir...) Man trägt ihn auf Kravallen. Habe nur wenige gesehen, die keinen anhatten. Da ich schon über meinen wunderschönen Overall geschrieben habe, kürze ich es hiermit ab, und verweise auf den Artikel.Auf dem Foto zu sehen: EIn perfektes Beispiel für einen vollgepflasterten Overall. Man bei wievielen Partys der schon war. Respect. Oder wie man in Deutschland sagt: Langzeitstudent.


Preparty.

Ja die meisten werden jetzt denken: Vorglühen. Fast. Meist scheint es hier ein wenig organisierter. Es ist nicht nur ein einfaches Treffen vor der Party sondern schon eine Party an sich hab ich das Gefühl. Ein Muss. Außerdem viel günstiger. Denn auf der Party kostet das Bier mindestens 350SEK. Und auch nett, vorher noch ein paar Leute zu treffen. Weiterhin ein Muss, wenn man weiß, dass wenn die Schweden Party machen, dann nur volltrunken. Es gibt kein Grau und kein Weiß, sondern nur Schwarz und das bedeutet Vollsuff. Und das ist auch wichtig mitzumachen, denn sonst hält man die Musik und die Schweden nicht aus. Versuch es nüchtern, und du wirst keinen Spaß haben. So schließen wir uns auch dieser Tradition an.


Schweden und Alkohol, eine paradoxe Beziehung.

Ein Professor von mir meinte auch letztens in der Vorlesung „Interkulturelle Kommunikation“: „The Swedes are shy, unless they are drunk“. Das sagt alles. Alles in allem denke ich, dass die Schweden gar nicht soviel trinken, sie können es wahrscheinlich nur nicht so gut vertragen. Und am Wochenende schießen sich die meisten so richtig ab. Ich hab hier schon Schnapsleichen gesehen, mein lieber Scholli.

Trotz der schwierigen Ausgangslage des Alkoholbeschaffens. Denn das ist das Paradoxe. Denn für Alkohol muss man in den allseits beliebten Systembolaget. Alles was einen höheren Prozentwert kann man dort kaufen, und das ist auch schön vom Staat kontrolliert. Denn der Systembolaget liegt in Staates Händen. Man muss mindestens 21 sein und auch immer seinen Pass zeigen. Außerdem liegt der meistens noch ein paar Kilometer weg und der Student an sich, der mit dem Rad unterwegs ist, hat da so seine Schwierigkeiten.

Auch eine abstruse Eigenart, die mir aufgefallen ist: Die Schweden trinken nicht das, was schmeckt. Sondern das, was den höheren Prozentwert an Alkohol halt. Verrückt. Und da sind wir auch wieder bei den Alkoholleichen. Man kommt nicht an Ihnen vorbei. Auf dem Heimweg sieht man mindestens einen der den Alk rückwärts trinkt. Man man.

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