Mittwoch, 27. August 2008

Le tour du canoë

oder auch: Wieso haben wir unsere Gruppe verloren?

„Ein ungewöhnlich schöner Tag“, dachte ich als ich aus dem Fenster schaute. Um 7 Uhr! So früh steht man auch nur auf, um eine Kanutour zu machen. Und vor allem wenn man am Abend zuvor noch beim Kravall (so nennt man die Studentenparties an der Uni, später mehr dazu) war, scheint einem diese Uhrzeit sehr unangebracht. Aber was solls. So hab ich mich aufs Fahrrad geschwungen, Anne abgeholt und wir sind dann zusammen zum Resecentrum gefahren, wo unser Bus abfuhr. Und wir haben irgendwie ein wenig getrödelt und kamen dann kurz vor knapp an. Aber wir habens geschafft. Im Bus noch nen Sitzplatz ergattert und dann gings los. Wohin? Das wussten wir auch nicht. Vertrauensvoll haben wir uns in die Hände unserer Koordinatorin gegeben und auf das Signal zum Aussteigen gewartet. 45 min und viele rote Schwedenhäuser weiter war es dann auch schon soweit.

Es sollte auf dem Kinda Kanal zum Paddeln gehen. Den genauen Flussnamen weiß ich auch nicht, falls es da noch einen anderen gibt. Nach einem kleinem Fußmarsch entlang wunderschöner schwedischer Landschaft, war es dann soweit und wir bereit. Schwimmwesten an, Paddel in die Hand und Boot ins Wasser! Ach ja, einsteigen nicht vergessen. Puh. Geschafft. Ohne Reinfallen, also ins Wasser. So die tour beginnt, und wir wissen immernoch nicht wohin. Einfach den Kanal entlang, und der ist Lang.


Ein wenig anstrengend ist es doch schon.

Auf dem Hinweg sind wir schon mal 1 ½ Stunden unterwegs. Und das heißt ohne Pausen oder ähnliches. Ganz schön anstrengend. Als wir am Ziel waren, wusste ich noch nicht wie wir den ganzen Weg wieder zurück schaffen sollten. Aber die Landschaft hat uns sehr dafür entschädigt. Es sah alles aus wie gemalt und ja es sieht wirklich so aus wie in Astrid Lindgren Filmen. Die haben nicht gelogen oder geschummelt. Nach einer kurzen Rast, beschlossen Teile der Gruppe noch weiter zu fahren, um sich ein Schloss anzuschaun. Danach wollten diese eigentlich wieder bei uns vorbei kommen, sodass wir viertel vor 7 den Bus Richtung Linköping gemeinsam nehmen konnten. Andere teile der Gruppe wollten schon jetzt zurückpaddeln, um schon einen Bus früher zu erwischen. Wir (meine geschätzte Paddelpartnerin und ich, sowie die 2 Annes im anderen Kanu)waren da eher etwas faul und wollten noch ein wenig die Sonne genießen und dann gemütlich zurückpaddeln. Also noch ein paar Runden „Schwimmen“ (nein, ich mein das Kartenspiel) eingelegt und dann wieder in Richtung Bootsanlegestelle aufgemacht. Dann wieder am Ziel angekommen, mit schon jetzt schmerzenden Armen, haben wir uns auf so einem schwimmenden Steg niedergelassen. Dazu muss man sagen: es war super heiß an dem Tag. Das heißt super heiß für Schweden. Sobald kein Fahrtwind zu spüren war, konnte man schon mal im Top im Boot sitzen. Komischerweise wurde es immer wärmer je später es wurde. Glatt einen Sonnenbrand auf der Nase bekommen. Das hätt ich auch nicht gedacht. Bin ich wirklich in Schweden?

Weit und breit kein Mensch.

Naja dann erst mal ein Nickerchen eingelegt. Und als wir wieder alle munter waren, fragten wir uns ernsthaft: Wo ist der Rest der Gruppe? Die hätten doch hinter uns sein müssen. Oder gibt es noch einen Weg? Nein ausgeschlossen. Wie haben die das gemacht? Und haben die uns nicht gesehen. Und warum in alles in der Welt sind alle Boote wieder da? Mittlerweile war es 4 Uhr. Toll noch knapp 3 Stunden bis der Bus fährt. Was nun. Erst mal Boot reinigen. Ok das waren jetzt 10 min. dann noch Paddel und Schwimmwesten zurück geben. Moment: Alles hatte zu. Nicht mal mehr Essen hatten wir. Zum Glück konnten wir noch eine öffentliche und noch dazu sehr gepflegte Toilette auffinden, die uns echt den Heimweg erleichtert hat. Dann sind wir nicht gerade optimistisch ob überhaupt noch ein Bus kommen wird, so abgelegen wie wir hier sind, zu Bushaltestelle, die eigentlich nur ein Schild war, gegangen. Natürlich war da kein Busplan dran. Und so mal wieder Kartenspielen. Plötzlich ein Busgeräusch. Aber es ist doch erst viertel vor 6. Jetzt sollte doch eigentlich keiner kommen. Und da kam doch tatsächlich ein Bus. Schnell alles hektisch eingepackt…und dann ab in den Bus und nach Hause. Natürlich saß die Gruppe nicht im Bus. Man weiß nicht wo sie waren. Anscheinend, wie heute aus geheimen Quellen erfahren sind die schon mit dem Bus 15.30 gefahren. Püh. und uns sagen wir wollen dann viertel vor 7 fahren. Die Morak von der Geschicht: traue deinem Reiseführer nicht.

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